Unser Konzept

Was unseren Kindergarten besonders macht

Wir sind Kinder, Eltern und Wegbegleiter. Wir sind Familien, wir sind Natur. Wir sind eine Gemeinschaft. Wir sind die Waldstrolche — und wir achten aufeinander.

Ob ein Waldkind schulreif wird und was bei Sturm passiert, steht unter den Punkten 3 und 4. Wir fangen trotzdem beim Schönsten an: bei einem ganz normalen Tag — und bei den Gründen, aus denen er so aussieht, wie er aussieht.

Aus unserer Konzeption

Ein Tag im Wald — was er Kindern bringt

Was an einem Tag bei uns geschieht, seht ihr auf der Startseite. Hier erzählen wir vom Ankommen bis zum Abholen, was dahintersteckt, und wer weiterlesen möchte, findet die Grundlagen dafür im Orientierungsplan Baden-Württemberg, der Bildungsziele für die Kindertageseinrichtungen im Land formuliert und an dem sie sich ausrichten sollen. Die passende Seite steht bei jedem Schritt dabei.

  • 8:00
    Wir sind eine GemeinschaftZwischen acht und halb neun treffen die Kinder am Bauwagen ein, und jedes darf so ankommen, wie es ihm an diesem Morgen entspricht: Das eine holt sich gleich Material aus dem Wagen, ein anderes schaut erst einmal, wer schon da ist, und ein drittes ist längst draußen im Spiel. Wer kommt, den begrüßen wir und den bemerken auch die anderen Kinder, und wer fehlt, den nennen wir später im Kreis beim Namen. Es sind gerade diese kleinen Gesten am Morgen, die einem Kind Tag für Tag zeigen, dass es dazugehört — und aus diesem Dazugehören wächst die Gemeinschaft, die alles Weitere trägt.
  • 8:30
    Der Tag beginnt mit einer gemeinsamen EntscheidungIm Morgenkreis singen wir und schauen, wer da ist und wer fehlt. Dann fragen wir, wie das Wetter wird und welcher Platz sich heute eignen könnte — dicht bewaldet oder doch eher mit Lichtung für mehr Licht? Die Kinder entscheiden mit, wohin es geht und welches Spiel sie vor dem Aufbruch noch spielen. Wer täglich erlebt, dass seine Stimme zählt, lernt mitzureden, zuzuhören und auch ein Ergebnis mitzutragen, das nicht das eigene war. Der Orientierungsplan nennt das auf Seite 39 Demokratiefähigkeit — bei uns wird Demokratie gelebt, jeden Tag und von klein auf.
  •  
    An jedem Platz wartet etwas anderesWir wechseln zwischen fünf festen Waldplätzen, und jeder hat seinen eigenen Charakter — eine Lehmklinge, die nass zur Rutschbahn wird, ein Farn-Dschungel, ein Kletterberg am Weg. Dieser Wechsel ist gewollt, denn an dem einen Platz staut ein Kind Wasser und sieht, wohin es läuft, am nächsten findet es unter den Wurzeln Lehmerde, die sich nass kneten und formen lässt und trocken zu Pulver zerfällt, und am dritten spürt es, wie sich ein Hang anfühlt, wenn man ihn hochkriecht. Was der Orientierungsplan auf Seite 142 physikalische und chemische Erfahrungen nennt, sammeln die Kinder bei uns ganz nebenbei, weil der Wald sie ihnen an jedem Platz anders anbietet.
  • ~9:15
    Die meiste Zeit gehört dem freien SpielRollenspiele, Klettern, Bauen, Balancieren, Matschen, Werken, Ausruhen, auch einmal Alleinsein — den größten Teil des Vormittags bestimmen die Kinder selbst, was sie tun. Das ist der Kern unserer Konzeption und keine Lücke im Programm, denn im Spiel üben Kinder genau das, was sie gerade brauchen, und genau so lange, wie es ihnen guttut. Der Orientierungsplan beschreibt das Spielen auf Seite 16 als die elementare Form des Lernens im Kindesalter, und wir sorgen dafür, dass es dafür jeden Tag Zeit, Raum und einen Wald gibt.
  • 10:30
    An der Gemüseschüssel wird Sprache gelebtBeim Kuckucksruf kommen alle zusammen. Zwei Kinder, die sich freiwillig zum Dienst gemeldet haben, sorgen fürs Händewaschen — das eine verteilt die Seife, das andere gießt Wasser aus dem Wasserbehälter über die Hände —, dann sprechen wir unseren Essensspruch, und wer mag, stellt sich in die Reihe, die sich ganz von selbst bildet und zur Schüssel führt. Was liegt heute darin, wie heißt es, wie schmeckt es? Und vieles, was einem Kind gerade wichtig ist, erzählt es genau hier. Wir hören zu, fragen nach und geben das, was ein Kind sagt, in vollständiger Form zurück — denn Sprache wächst dort, wo jemand wirklich zuhört. Und wo ein Kind Tag für Tag erlebt, dass ihm jemand zuhört, wächst noch etwas anderes, Vertrauen und damit Bindung. Was der Orientierungsplan ab Seite 160 zur Sprachbildung und auf Seite 23 zur Beziehung schreibt, geschieht bei uns im Alltag und besonders an der Gemüseschüssel.
  • 12:00
    Der Tag bekommt sein LiedIm Abschlusskreis singen wir zwei Lieder, und jedes Kind darf erzählen, was ihm heute gut gefallen hat. Das eine erzählt von der Höhle, vom Fund oder vom geschafften Hang, das andere davon, dass es den ganzen Vormittag mit zwei anderen Vater, Mutter und Kind gespielt hat. Wir hören jedem mit derselben Aufmerksamkeit zu, denn was ein Kind hier erzählt, zeigt uns, was es bewegt — und wer benennen darf, was gut war, will am nächsten Morgen wieder los. Der Orientierungsplan widmet dieser Verbindung von Gefühl und Antrieb das Feld Emotion und Motivation ab Seite 195.
  • 13:00
    Ihr findet euer Kind mitten im TunUm 13:00 Uhr endet der Kerntag, und ein Teil der Gruppe bleibt bis 14:30 Uhr am Bauwagen. Wer sein Kind abholt, findet es selten wartend, sondern mitten in etwas — beim Bauen, im Gespräch, im Spiel —, und das ist so gewollt. Ein Kind, das erlebt, dass es etwas bewirken kann, entwickelt Vertrauen in sich selbst; der Orientierungsplan nennt das auf Seite 47 Selbstwirksamkeit, und wir versuchen, dieser Erfahrung bis zur letzten Minute des Tages nicht im Weg zu stehen.
Die Waldstrolche unterwegs auf dem Waldweg

Was den Wald-Alltag ergänzt

Einmal im Monat gehen wir mit allen Kindern in die Stadtbücherei, stöbern in den Regalen, leihen aus und vespern anschließend im Rathaus — ein Tag, an dem die Stadt genauso vertraut wird wie der Wald. Über das Jahr verteilt kommen Projektarbeiten dazu, der Laternenlauf, der Rathaussturm, das Osterfest, ein Tagesausflug und zum Schluss das Sommer- und Abschlussfest.

Ein Kind klettert auf einen Baumstumpf
Die wöchentliche Vorschulstunde

Das letzte Jahr vor der Schule

Ein Vorschulkind schneidet konzentriert mit der Schere

Im letzten Jahr vor der Einschulung treffen sich die angehenden Schulkinder einmal in der Woche in ihrer eigenen Kleingruppe. Dort üben sie, was ein Schulanfang verlangt: eine Weile bei einer Sache zu bleiben, einer Anleitung zu folgen, mit Stift und Schere umzugehen, Mengen und Laute zu unterscheiden, vor der Gruppe zu sprechen und einander zuzuhören.

Der Orientierungsplan hält wenig davon, das letzte Kindergartenjahr in ein Vorschulprogramm zu verwandeln, denn er schreibt auf Seite 28, dass eine starre Fokussierung auf Schulvorbereitung mit vorgefertigten Förderprogrammen wenig bewirkt, und legt den Übergang in die Schule stattdessen als gemeinsame Aufgabe von Kindergarten, Grundschule und Familie an (Kapitel 3, ab Seite 254). Genau so verstehen wir unsere Vorschulstunde: als verlässlichen Rahmen, in dem die Kinder erleben, wie sich Lernen mit Anleitung anfühlt, und nicht als Trainingslager. Was sie sonst noch für die Schule brauchen — Ausdauer, Neugier, Selbstvertrauen und die Fähigkeit, sich in einer Gruppe zurechtzufinden —, bringen sie aus den Waldjahren mit (siehe Was der Wald bewirkt). Wenn ihr es wünscht, gestalten wir den Übergang gemeinsam mit den Grundschulen und ihren Kooperationslehrkräften, damit euer Kind den Weg dorthin schon ein Stück weit kennt. Diese Zusammenarbeit ist freiwillig und geschieht nur mit eurer Einwilligung. Davon unberührt bleibt die Sprachförderung, die das Land für Kinder mit besonderem Bedarf im letzten Jahr vor der Schule vorsieht.

Unterwegs im Schelmenholz

Unsere Plätze — von den Kindern getauft

Vom Bauwagen aus wandern wir jeden Morgen los: zu fünf festen Plätzen und ein paar legendären Zwischenstopps, deren Namen sich die Kinder selbst ausgedacht haben. Tippt euch durch die Karte — alle Gehzeiten sind Zirka-Werte, denn der Weg ist ja bereits unser Ziel.

WOHNGEBIET Bauwagen
Feste Waldplätze Zwischenstopps & Extras Geheimwege

Diese Plätze zeigen wir euch am liebsten live

Beim Kennenlern-Vormittag lauft ihr den Weg zum Platz einfach mit — gemeinsam mit eurem Kind.

Kennenlern-Vormittag vereinbaren
Was der Wald bewirkt

Kinder brauchen den Wald

Er regt die Sinne an und hält Stille bereit. Er bietet Freiräume, die kein Gruppenraum bieten kann, und Platz für Bewegung, die kein Turnraum hergibt. Und weil es kein vorgefertigtes Spielzeug gibt, wird alles zum Spielzeug, was ein Kind dazu erklärt. Vieles davon lässt sich beobachten — einiges ist inzwischen auch untersucht.

Konzentration & Schulreife

Eine norwegische Langzeitstudie mit über 560 Kindern hat verfolgt, wie sich Aufmerksamkeit und Selbstregulation entwickeln — und je mehr Zeit die Kinder in der Kita draußen verbracht hatten, desto besser standen sie da, bis ins Jugendalter hinein. Eine Vergleichsstudie der Universität Heidelberg fand Waldkinder in allen Schulbereichen mindestens gleichauf mit Kindern aus Regelkindergärten.

Für euer Kind heißt das: Was die Schule später verlangt — ruhig bleiben, dranbleiben, zuhören —, übt es im Wald jeden Tag, ohne dass es jemand Übung nennt.

Ulset et al. 2017/2022, Journal of Environmental Psychology · Häfner 2002, Univ. Heidelberg

Gesundheit & Immunsystem

In finnischen Kitas wurde der Außenbereich mit Waldboden ausgelegt — und schon nach einem Monat hatte sich das Immunsystem der Kinder verändert, hin zu einer besseren Regulation. Und Kinder, die viel Zeit bei Tageslicht verbringen, werden seltener kurzsichtig; das zeigte eine Studie mit über 1.900 Schulkindern.

Für euer Kind heißt das: ein Immunsystem, das täglich draußen trainiert wird — und Augen, denen das Licht guttut.

Roslund et al. 2020, Science Advances · He et al. 2015, JAMA

Selbstvertrauen & Resilienz

Wenn Kinder klettern, balancieren und ihre Grenzen ausloten, werden sie geschickter, sicherer und vorsichtiger zugleich — und Verletzungen gibt es deshalb nicht häufiger. Das zeigt die Forschung zum riskanten Spiel seit Jahren in dieselbe Richtung: Kinder, die Risiken dosiert erfahren dürfen, lernen sie einzuschätzen.

Für euer Kind heißt das: Es lernt, Risiken selbst einzuschätzen — und das schützt es besser als jedes Verbot.

Brussoni et al. 2015, Int. J. Environ. Res. Public Health · Fjørtoft 2001 · Sandseter & Kennair 2011

Das Fundament dahinter: Boden → Wurzeln → Stamm → Äste → Krone. Wie Entwicklung bei uns wächst — und weshalb wir nie an der Krone ziehen — zeigt unser Teambaum.

So wächst ein Kind
Unser Name ist Programm

Der Waldstrolche-Baum

21 Buchstaben — WALDSTROLCHE WINNENDEN — und jeder ist ein Blatt an unserem Baum: ein Wert, an dem wir unseren Alltag ausrichten, vom Morgenkreis bis zum Rückweg. Kein Leitbild für die Schublade, sondern die Landkarte, nach der wir täglich Entscheidungen treffen. Tippt die Blätter an und entdeckt alle 21.

1 von 21 entdeckt

Tippt die Blätter am Baum an — findet ihr alle 21?

Sicherheit & Gesundheit

Draußen sein — mit klaren Regeln

Die wichtigste Zahl zuerst: Eine Gruppe, 20 Kinder, immer 2–3 pädagogische Fachkräfte. So kennt das Team jedes Kind wirklich.

Und Kinder geben sich ihre Regeln selbst! Jedes Kindergartenjahr beginnt mit Kinderkonferenzen, in denen die Kinder die Regeln des vergangenen Jahres prüfen, verwerfen oder neu aufnehmen. Was dann bei uns gilt, besprechen sie im Kreis, diskutieren es und stimmen darüber ab, und was sich im Alltag nicht bewährt, wählen sie wieder ab. Dass ein Dreijähriger dabei mitentscheidet, klingt für manche Erwachsene nach dem Himmel auf Erden oder nach Chaos, tatsächlich aber ist es der Ort, an dem Demokratiefähigkeit beginnt, die der Orientierungsplan auf Seite 39 als Bildungsziel beschreibt. Der Alltag prüft jede dieser Regeln, denn eine Regel, die niemand einfordert, verschwindet von allein — wenn eine Gruppe aber beschließt, dass Fäkalsprache im Kreis nichts verloren hat, dann hält das länger als jede Ansage von uns. Kinder sind darin sehr kompetent, und manchmal zu streng mit sich selbst. Dann sind wir da.

Freiheit durch Regeln

Regeln bleiben nur Regeln, wenn alle sie einfordern — Kinder wie Erwachsene. Deshalb wissen unsere Kinder sehr genau, wie weit sie sich entfernen dürfen — so weit, wie wir einander sehen können —, und was der Ruf bedeutet, der alle zusammenholt. Gerade weil diese Regeln stehen, können sich die Kinder in einem komplett offenen Umfeld frei bewegen.

Unsere Vorsorge

Die Kinder tragen lange Kleidung — gegen Zecken ebenso wie gegen Dornen — und wir suchen sie täglich nach Zecken ab; zu Hause bitten wir euch, das noch einmal zu tun. Vor jedem Essen waschen sich alle die Hände mit abbaubarer Seife, und was im Wald wächst, kommt nicht in den Mund. Alle pädagogischen Fachkräfte werden regelmäßig in Erster Hilfe am Kind geschult, und für den Notfall gibt es feste Abläufe, zu denen immer auch die sofortige Nachricht an euch gehört.

Bei Sturm & Unwetter

Bei Sturmwarnung gehen wir nicht in den Wald. Dann wird der Tag zum Ausflugstag — etwa in die Stadtbücherei oder ins Rathaus. Unsere zwei Bauwagen sind zudem jederzeit der warme, trockene Rückzugsort der Gruppe. Alle Gesundheitsinformationen erhalten Eltern zum Start in einer Broschüre.

Und die Fragen, die sich alle Eltern stellen — Winter, Matsch, Toiletten, Schulreife? Die beantworten wir ehrlich in den ehrlichen Fragen auf der Startseite — und am liebsten persönlich beim Kennenlern-Vormittag.

Am besten erlebt ihr es selbst

Ein Vormittag im Wald sagt mehr als jede Website. Kommt vorbei — gemeinsam mit eurem Kind.

Kennenlern-Vormittag vereinbaren