Wie lernen Kinder?
Maria Montessori · Lew Wygotski · Gerd E. Schäfer
Ob Morgenkreis, Regel oder Schnitzmesser — hinter allem, was ihr bei uns seht, steht eine Haltung. Geprägt haben sie Menschen von Maria Montessori bis zu denen, die heute das riskante Spiel erforschen. Was oben im Wald sichtbar ist, hat unter der Oberfläche Wurzeln — folgt einer davon.
Maria Montessori · Lew Wygotski · Gerd E. Schäfer
Wählt eine Wurzel — die Antwort erscheint daneben. Zu jeder Frage steht dort auch, wie sie sich Tag für Tag im Schelmenholz zeigt.


Auch im Schelmenholz werden die Sommer heißer. Die Kinder lernen dabei, auf ihren Körper zu hören — ist mir zu warm, brauche ich Schatten, habe ich genug getrunken? —, und der Wald ist an solchen Tagen der kühlste Ort weit und breit. Wie wir an heißen Tagen vorgehen, regelt unser Hitzeplan.
Der Wald hilft mit. Unter dem Blätterdach ist es an heißen Tagen spürbar kühler als in der Stadt. Trotzdem folgen wir im Sommer einem festen Plan, der sich an der gefühlten Temperatur des Deutschen Wetterdienstes ausrichtet.
Ab 32 Grad bleiben wir an schattigen Plätzen wie dem Sommer- oder Tannenplatz, legen häufiger Trinkpausen ein und lassen weite Wanderungen und Klettertouren aus.
Ab 38 Grad bleibt die Gruppe in der Nähe des Bauwagens, und die Betreuungszeit kann verkürzt werden — davon erfahrt ihr rechtzeitig.
An jedem heißen Tag meiden wir die Mittagssonne, der Bauwagen ist der kühle Rückzugsort, und aus dem Tag wird ein Wassertag mit Matschküche und Wasserbaustelle.
Von euch brauchen wir Sonnenschutzkleidung, eine Kopfbedeckung und ein vor dem Bringen eingecremtes Kind; nachgecremt wird nur nach schriftlicher Absprache.
Den ganzen Hitzeplan findet ihr in unserer Konzeption.
Zu einer ehrlichen Einladung gehört Klarheit: Wir sind kein Betreuungsangebot bis in den Abend, kein Ort für vorgezogenes Schulprogramm und keine romantische Idylle. Waldkindergarten heißt bei uns draußen sein, auch wenn es regnet, Kleidung, die schmutzig werden darf, und Eltern, die diesen Weg mittragen. Wer das möchte, findet bei uns sehr viel.
Für alle, die es genauer wissen wollen: Das sind die Werke hinter unseren sechs Antworten — und in einem Satz, weshalb sie uns tragen. Jedes davon bekommt ihr in der Buchhandlung oder über eure Bücherei.
Becker-Stoll, Fabienne / Textor, Martin R. (Hrsg.): Die Erzieherin-Kind-Beziehung. Zentrum von Bildung und Erziehung, Berlin: Cornelsen Scriptor 2007 — ohne Beziehung keine Bildung — weshalb bei uns die Beziehung vor jedem Programm kommt.
Bowlby, John: Bindung als sichere Basis. Grundlagen und Anwendung der Bindungstheorie, München: Reinhardt 2008 — weshalb Kinder eine sichere Basis brauchen, um mutig loszuziehen — das Fundament unserer sanften Eingewöhnung.
Gebhard, Ulrich: Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung, 5. Auflage, Wiesbaden: Springer VS 2020 — das Standardwerk zur Frage, was Naturerfahrung mit der Seele eines Kindes macht: Sie beruhigt, ordnet und stärkt das Selbstvertrauen.
Grossmann, Karin / Grossmann, Klaus E.: Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit, Stuttgart: Klett-Cotta (mehrere Auflagen) — die große Bielefelder und Regensburger Längsschnittforschung: wie frühe Sicherheit ein Leben lang trägt.
Grossmann, Klaus E. / Grossmann, Karin (Hrsg.): Bindung und menschliche Entwicklung. John Bowlby, Mary Ainsworth und die Grundlagen der Bindungstheorie, Stuttgart: Klett-Cotta (mehrere Auflagen) — die Grundlagentexte der Bindungsforschung, von den beiden ins Deutsche gebracht.
Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2015 — Kinder kooperieren von Geburt an — und wenn eines scheinbar nicht mitmacht, ist das eine Botschaft, keine Störung.
Korczak, Janusz: Wie man ein Kind lieben soll, hrsg. von Sabine Andresen, 17., überarbeitete Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2018 — hier stehen das Recht des Kindes auf Achtung und das Recht auf den heutigen Tag — der Geist hinter unserem Morgenkreis, in dem die Kinder mitentscheiden.
Largo, Remo H.: Kinderjahre. Die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung, München: Piper 1999 — die große Zürcher Langzeitforschung über die Vielfalt normaler Entwicklung — und weshalb wir nicht vergleichen.
Montessori, Maria: Kinder sind anders, 23. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta 2022 (italienisches Original: Il segreto dell’infanzia) — das Kind als Baumeister seiner eigenen Entwicklung — und der Grund, weshalb wir die Umgebung vorbereiten, statt zu belehren. Unser Wald ist diese Umgebung.
Pikler, Emmi: Friedliche Babys – zufriedene Mütter. Pädagogische Ratschläge einer Kinderärztin, Freiburg: Herder (mehrere Auflagen) — ihr frühes Buch aus der Praxis: Zuwendung in der Pflege gibt dem Kind die Sicherheit, von der aus es sich der Welt zuwendet.
Pikler, Emmi: Lasst mir Zeit. Die selbständige Bewegungsentwicklung des Kindes bis zum freien Gehen, überarbeitet von Anna Tardos, 5., überarbeitete Auflage, München: Pflaum 2018 — was ein Kind aus eigener Kraft erreicht, gehört ihm wirklich — deshalb heben wir bei uns niemanden auf den Kletterstamm.
Pikler, Emmi / Tardos, Anna u. a.: Miteinander vertraut werden. Erfahrungen und Gedanken zur Pflege von Säuglingen und Kleinkindern, Freiamt: Arbor (mehrere Auflagen) — Beziehung entsteht in den alltäglichen Handgriffen; das gilt bei uns vom ersten Tag der Eingewöhnung an.
Renz-Polster, Herbert / Hüther, Gerald: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein neuer Blick auf das kindliche Lernen, Denken und Fühlen, Weinheim/Basel: Beltz 2013 — ein Kinderarzt und ein Hirnforscher zeigen: Draußen finden Kinder von selbst die Herausforderungen, an denen sie wachsen.
Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation und Macht. In Institutionen, Gesellschaft und Familie, Paderborn: Junfermann 2017 — hinter jedem Verhalten ein Bedürfnis suchen, statt Schuld zu verteilen — so sprechen wir miteinander und mit euren Kindern.
Schäfer, Gerd E.: Was ist frühkindliche Bildung? Kindlicher Anfängergeist in einer Kultur des Lernens, Weinheim/Basel: Beltz Juventa 2011 — der Begriff der Selbstbildung, auf den Punkt gebracht: Kinder bilden sich selbst, mit allen Sinnen, im eigenen Tun.
Weber, Andreas: Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur, Berlin: Ullstein 2011 — Kinder brauchen das Unfertige und Lebendige, das sich anfassen und verwandeln lässt.
Diese Texte und Studien sind legal und kostenlos online zugänglich — von Universitäten, Bibliotheken und den Fachleuten selbst veröffentlicht:
Janusz Korczak: „Das Recht des Kindes auf Achtung" — vollständiges Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek.
Gerd E. Schäfer: „Prozesse frühkindlicher Bildung" (PDF) — Originaltext auf dem Server der Universität zu Köln.
Anna Tardos: Vortrag über Piklers „Lasst mir Zeit" (PDF) — von Piklers Tochter, veröffentlicht von der Pikler-Hengstenberg-Gesellschaft.
Herbert Renz-Polster: „Raus mit Euch!" — was Naturbegegnung für Kinder bedeutet — auf der Seite des Autors.
Brussoni, Sandseter u. a.: Studie zu riskantem Spiel und Gesundheit (2015) — die wissenschaftliche Originalveröffentlichung (englisch).
Manche von euch möchten es genauer wissen, bevor sie sich entscheiden, und das verstehen wir gut. Familien, die sich für einen Platz bei uns interessieren, schicken wir unsere schriftliche Konzeption gern zu — schreibt uns einfach ein paar Zeilen, wer ihr seid und was euch beschäftigt. Und am besten lernt ihr uns bei einem Vormittag im Wald kennen.
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